Meine Geschichte mit narzisstischer und häuslicher Gewalt
6 Jahre lang war ich in einer Beziehung, die von außen nahezu perfekt aussah. Wir wirkten glücklich, vertraut und verbunden. Für andere war er ein sympathischer und liebevoller Partner. Niemand sah, was wirklich hinter unserer Fassade geschah. Unsere Beziehung war nicht nur von Trennungen und Neuanfängen geprägt. Sie war geprägt von psychischer und körperlicher Gewalt, von Angst, Verletzungen und dem Gefühl, immer mehr von mir selbst zu verlieren.
Nach außen war alles perfekt
Das Perfide an dieser Beziehung war, dass kaum jemand nachvollziehen konnte, was ich erlebte. Nach außen zeigte er sich ganz anders. Er konnte freundlich, charmant, hilfsbereit und aufmerksam sein. Das Bild, das andere von ihm hatten, passte nicht zu dem Menschen, den ich innerhalb unserer Beziehung erlebte.
Nicht einmal meine eigene Familie verstand mich.
Sie sahen die schönen Momente und die perfekte Außenwirkung. Sie erlebten nicht, was zwischen uns passierte, wenn niemand dabei war. Dadurch begann ich irgendwann selbst, an meiner Wahrnehmung zu zweifeln. Vielleicht war es wirklich nicht so schlimm. Vielleicht war ich zu empfindlich. Vielleicht lag es doch an mir. Genau diese Gedanken hielten mich lange gefangen.
Ich fühlte mich unglaublich allein. Nicht nur innerhalb der Beziehung, sondern auch mit meiner Wahrheit. Ich hatte das Gefühl, mich erklären und rechtfertigen zu müssen, obwohl ich selbst kaum noch Worte für das fand, was mit mir geschah.
Zwischen Hoffnung, Angst und Enttäuschung
Unsere Beziehung dauerte 6 Jahre und war immer wieder von Trennungen und Versöhnungen geprägt. Ich ging und kam zurück. Ich hoffte, glaubte und verzieh. Nach jeder Trennung gab es diesen Moment, in dem ich dachte, dass er nun verstanden hätte, wie sehr mich sein Verhalten verletzte. Ich glaubte an seine Worte und an die Möglichkeit, dass diesmal wirklich alles anders werden könnte.
Die schönen Phasen gaben mir immer wieder Hoffnung. Genau diese Momente machten es so schwer, endgültig zu gehen. Ich hielt mich an dem Menschen fest, der er am Anfang gewesen war oder zwischendurch wieder zu sein schien. Doch irgendwann begann der Kreislauf erneut.
Nähe und Distanz. Hoffnung und Enttäuschung. Liebe und Angst.
Ich wusste nie, welche Seite mir begegnen würde. Mein Nervensystem war ständig in Alarmbereitschaft, auch wenn ich das damals noch gar nicht so benennen konnte.
Gewalt hat viele Gesichter
Lange dachte ich, psychische Gewalt sei weniger schlimm, weil man sie von außen nicht sehen kann. Heute weiß ich, dass sie tiefe Spuren hinterlässt. Worte können einen Menschen Stück für Stück zerstören. Abwertungen, Schuldzuweisungen, emotionale Kälte und das ständige Infragestellen der eigenen Wahrnehmung verändern etwas in einem. Ich wurde immer unsicherer und leiser. Mein Selbstwert wurde kleiner, während meine Angst immer größer wurde. Doch es blieb nicht bei psychischer Gewalt. Ich erlebte auch körperliche Gewalt.
Diese Wahrheit auszusprechen, fällt mir bis heute nicht leicht. Zu lange hatte ich geschwiegen, relativiert und versucht, das Geschehene vor anderen und sogar vor mir selbst kleiner zu machen. Ich schämte mich, obwohl nicht ich diejenige war, die sich hätte schämen müssen.
Gleichzeitig funktionierte ich weiter. Ich war Mutter, kümmerte mich um meine Kinder, ging arbeiten und bewältigte meinen Alltag. Nach außen wirkte ich stark. Niemand sah, wie es in mir wirklich aussah.
Ich war eine Meisterin im Funktionieren geworden, aber ich hatte mich selbst dabei verloren.
Warum ich so lange geblieben bin
Viele Menschen verstehen nicht, warum jemand nach psychischer oder körperlicher Gewalt bei einem Partner bleibt oder sogar zu ihm zurückkehrt. Ich blieb nicht, weil ich schwach war.
Ich blieb, weil ich liebte. Weil ich hoffte. Weil ich glaubte, dass sich etwas verändern könnte. Weil ich mich an die guten Momente klammerte und weil ich immer wieder dachte, dass ich nur noch ein bisschen verständnisvoller, geduldiger oder liebevoller sein müsste.
Ich übernahm die Verantwortung für sein Verhalten und suchte die Fehler bei mir. Irgendwann wusste ich nicht mehr, ob ich meiner eigenen Wahrnehmung vertrauen konnte. Und wenn dann auch die eigene Familie nicht versteht, was wirklich geschieht, fühlt sich das an, als hätte man keinen sicheren Ort mehr.
Ich war umgeben von Menschen und fühlte mich trotzdem vollkommen allein.
Heute bin ich dankbar für meinen Weg
Manchmal sind es gerade die schwierigen Erfahrungen in unserem Leben, die uns dazu bringen, Dinge zu hinterfragen, die wir lange für selbstverständlich gehalten haben. Ich bin nicht dankbar für das, was mir widerfahren ist. Nicht für die Verletzungen, nicht für die Angst und auch nicht für die Momente, in denen ich mich selbst verloren habe. Denn niemand muss Schmerz erfahren, um daran zu wachsen.
Aber ich bin heute dankbar für den Weg, den ich danach gegangen bin.
Für die Erkenntnisse, die ich gewonnen habe. Für die alten Muster, die ich begonnen habe zu verstehen. Und dafür, dass ich gelernt habe, mich selbst wieder ein Stück besser kennenzulernen. Dieser Weg war nicht immer einfach und er ist auch heute noch nicht abgeschlossen. Persönliche Entwicklung bedeutet schließlich nicht, irgendwann an einem Punkt anzukommen, an dem uns nichts mehr berührt.
Vielmehr geht es darum, bewusster mit uns selbst umzugehen, unsere eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und zu erkennen, wo unsere Grenzen liegen. Ich habe gelernt, dass Sensibilität keine Schwäche ist. Dass Gefühle ihre Berechtigung haben und dass ich nicht für alles eine Erklärung brauche, wenn ich mich für mein eigenes Wohlbefinden entscheide.
Vor allem aber habe ich verstanden, dass unser Wert nicht davon abhängt, wie andere Menschen uns behandeln oder was sie in uns sehen. Manchmal verlieren wir im Laufe unseres Lebens den Blick auf das, was uns eigentlich ausmacht. Doch das bedeutet nicht, dass diese Seiten von uns verschwunden sind.
Meine Geschichte ist heute ein Teil meiner Arbeit
Meine Erfahrungen haben mich geprägt, aber sie bestimmen nicht mehr über mein Leben. Heute nutze ich meine Geschichte, um andere Menschen zu begleiten.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, nach außen zu funktionieren und innerlich zu zerbrechen. Ich kenne die Scham, die Einsamkeit und die Angst davor, dass einem niemand glaubt. Ich weiß aber auch, dass ein selbstbestimmtes Leben nach einer solchen Beziehung möglich ist. Heilung bedeutet für mich nicht, dass alles vergessen ist. Heilung bedeutet, dass die Vergangenheit nicht mehr mein Heute kontrolliert.
Ich bin heute nicht mehr die Frau, die sich selbst verlassen hat, um einen anderen Menschen nicht zu verlieren.
Ich bin eine Frau, die sich wiedergefunden hat.
Eine Frau, die ihre Stimme zurückerobert hat.
Eine Frau, die ihre Wahrheit nicht mehr versteckt.
Eine Frau, die wieder strahlt.
Meine Geschichte war lange mit Angst, Scham und Schmerz verbunden. Heute ist sie der Beweis dafür, dass wir uns aus den dunkelsten Zeiten unseres Lebens zurückholen können.
Der wichtigste Schritt meines Lebens war nicht, ihn zu verlassen. Der wichtigste Schritt war, mich selbst nie wieder zu verlassen.
